Übersicht: Webmail für die eigene Domain

Meine erste Domain müsste ich gegen Mitte/Ende der 1990er registriert haben. Seither haben sich die Domainpreise sehr positiv verändert. Kostete damals noch eine .com Domain einige hundert US-Dollar, so bekommt man sie heute für weit weniger als einen Euro pro Monat.

Ein kleines Problem gibt es jedoch. Hat man erst eine Domain direkt beim Registrar registriert, so besitzt man meist auch nur den Namen. Kein Webhosting und vor allem kein E-Mail Postfach. Nun gibt es glücklicherweise Anbieter, die kostengünstig Webhosting zusammen mit einem (oder mehreren) E-Mail Postfächern anbieten. Leider wollen viele, dass man direkt die Domain über sie hostet. Für mich selbst kam so etwas für wichtige Domains nie in Frage. Weshalb? 99% oder eigentlich so gut wie alle Anbieter erlauben meist nicht die selbstständige Änderung von Nameserver- und Whois-Einträgen. Die meisten berechnen sogar Geld für die 10-Sekunden Änderung. Bis zu 30 Euro habe ich schon lesen können. Das steht natürlich in keinem Verhältnis mehr. Selbst 50 Cent sind schon zu viel für diese wirklich schnelle Änderung – besonders wenn die Domain selbst nur 5,- Euro gekostet hat.

Änderung der SRV- und MX Record meist teuer

Seit es Google Apps auf dem Privatmarkt gibt, möchten auch immer mehr Nutzer SRV-Records ändern lassen. SRV (Service Resource Record) benötigt man für SIP, LDAP, Kerberos und auch XMPP (Jabber). Google bietet im Google Apps Paket einen virtuellen Jabber-Server für die eigene Domain. Dazu muss man entsprechende SRV-Records erstellen und diese müssen auf die entsprechenden Google Server verweisen. Ohne diese SRV-Records kann man sich nicht mit anderen (externen) Jabber-Teilnehmern verbinden – wenn man denn überhaupt jemanden kennt.

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Noch wichtiger sind meiner Meinung nach jedoch die MX-Records. Ein MX-Record sagt aus, unter welchem FQDN der Mail-Server zu einer Domain (name.de) oder Subdomain (www.name.de) erreichbar ist. Die meisten Webhostinganbieter bieten bereist Mailhosting an. Also kann man über eine meist miserable Webmailoberfläche die E-Mails von unterwegs aus mehr oder weniger bequem abrufen. Ärgerlich wird es, wenn man einen anderen Anbieter nutzen möchte. Zwar gibt es die Möglichkeit, E-Mails einfach weiterleiten zu lassen, doch ist dieses mehr als nur unprofessionell.

 

Zoho, Google Apps, Microsoft und AOL

Die “Big Player” auf dem Bring Your Own Domain (BYOD) Markt sind neben Microsoft und AOL auch Google (mit Google Apps) und Zoho. Leider haben alle (meiner Meinung nach) extrem viele Nachteile.

Wie bei allen hier aufgeführten Anbietern kostet der BYOD-Dienst nichts. Bei Zoho sind die ersten 10 Postfächer komplett gratis. Zoho Business nennt sich das BYOD-Produkt von Zoho.

  • E-Mail Hosting (ohne Postfachspeicherbegrenzung)
  • IMAP4- und POP3 Zugriff
  • Unterstützung von Ordern- und Beschriftungen
  • komplett werbefrei


Zoho Webmail Editor

Die Webmail-Oberfläche ist extrem gewöhnungsbedürftig. Sie wirkt zwar geordnet, doch fehlt das grafische Etwas. Immerhin öffnen sich seit kurzer Zeit nicht mehr Pop-Ups beim öffnen von Nachrichten.

Die Konfiguration des BYOD-Dienstes ist hingegen sehr kompliziert. Nach der Anmeldung muss man die MX-Records ändern, was aber das kleinste Übel ist. Danach geht es ins Eingemachte. Die Konfiguration der Nutzerkonten von Zoho Business. Ich muss zugeben, dass ich selbst irgendwann aufgegeben habe.

 


Fast idiotensicher ist Googles BYOD-Dienst. Ausführliche Anleitungen in mehreren Sprachen ermöglichen es, selbst den Laien schnell und sicher Google Apps zu konfigurieren. Zu Google Apps gehören mehrere Dienste, welche man optional in der BYOD-Verwaltung hinzufügen kann – darunter auch ein virtueller XMPP-Server für die eigene Domain.

  • 7 GB Postfachgrösse (bis zu 50 Nutzerkonten)
  • IMAP4- und POP3 Zugriff (nur per SSL)
  • keine hierarchische Ordnerstruktur, sondern nur einfache Beschriftungen
  • personalisierte Textwerbung (alle eingehenden E-Mails werden ausgewertet)
  • keine Hilfestellung bei Problemen durch Google
  • Instant Messaging aus der Webmailoberfläche mit AIM/ICQ- und Google Kunden


Google Mail Webeditor

Die Google Apps Google Mail Oberfläche ist identisch mit der normalen Gmail (in Deutschland Google Mail) Oberfläche. Minimale Anzahl an Grafiken und einfach gehaltene Oberfläche (welche jedoch immer langsamer wird). Die Schreibansicht ist ausreichend.

Positiv ist zu erwähnen, dass man mehrere Domains als Alias-Adressen aufschalten kann. Die Alias-Domains können leider nur für den E-Mail Verkehr genutzt werden.

 

 

 

Unter dem unsinnigen Namen Windows Live Admin Center bietet Microsoft den BYOD-Dienst an. Auf Anfrage gibt es eine nahezu unbegrenzte Anzahl an Benutzerkonten, so dass vor allem große Internet-Communities diesen Dienst sehr gerne nutzen.

Die (englischsprachige) Konfiguration ist sehr einfach gehalten. Anmeldung, MX-Änderung und Bestätigung. Das Ganze dauert nur wenige Minuten. Wunschweise können Webmaster sogar eine offene Registrierung erlauben. So können neue Besucher einfach selbst eine E-Mail Adresse einrichten. Gute Idee.

  • unbegrenzten Speicherplatz
  • POP3 Zugriff
  • hierarchische Ordnerstruktur
  • Drag’n Drop (Mails einfach in die gewünschten Ordner verschieben)
  • kostenfreier Microsoft Support

 

Hotmail Webmail Editor

Die Webmailoberfläche ist sehr übersichtlich. Retten kann man sich kaum vor den großen, blinkenden Werbebannern. Immerhin gibt es (noch) keine Videowerbung bei Hotmail. Was die Optik betrifft, hat Microsoft die Nase vorn und mit einer Breitbandverbindung ist das Postfach sehr schnell geladen.

Negativ: Alias-Domains gibt es nicht. Jede Domain muss normal eingerichtet werden und kann dann auch nur intern weitergeleitet werden. Immerhin besteht die Möglichkeit mit einem Knopfdruck in ein verknüpftes Postfach zu wechseln. Des Weiteren wird jeder ausgehenden E-Mail eine Werbebotschaft angefügt.  Hat man eine Frage, so ist man im Gegensatz zu Google Apps nicht alleine. Microsoft bietet einen kompetenten und schnellen (und kostenfreien) E-Mail Support. Anfragen wurden in den letzten Jahren bei mir immer innerhalb von maximal 12 Stunden von der Firmenzentrale beantwortet.

 

 

AOL ist auch nicht sehr zeigefreudig und versteckt genau wie Microsoft seinen Dienst – aus welchen Gründen auch immer. Der AOL BYOD-Dienst kann sich sehen lassen. Ein Mini-AIM Chat ist integriert und lässt sich optional auch deaktivieren. Im Gegensatz zu Google hat AOL den Dienst in einer Art Sidebar versteckt. Neben AIM kann man von der Weboberfläche aber auch auf viele andere Dienste (u.a. auch Drittdienste wie Gmail!) zugreifen.

  • unbegrenzter Speicherplatz
  • sehr gute Chat-Integration
  • Schnellzugriffe auf Drittdienste

 

AIM Webmail Editor

Die Webmailoberfläche kann sich sehen lassen, doch im Gegensatz zu Microsofts Hotmail E-Mail Dienst ist auch sie ein wenig misslungen. Gut ist die Messenger-Integration. Das Chat-Fenster lässt sich auch an eine beliebige Stelle verschieben, so dass es nicht wie bei Google Mail im Weg ist. Des Weiteren gibt es ungefähr 200 Millionen mehr AIM-Kunden, so wird die Chance höher sein, dass man auch mal den Webchat benutzen kann.

Manko: Keine Alias-Domains, viel Werbung und eine Zeile Werbung am Ende jeder E-Mail.

 

 

 

Vorab: Yahoo bietet keinen kostenfreien BYOD-Dienst an. 34,95 US-Dollar fallen jährlich pro E-Mail Adresse an. Privatnutzer sind scheinbar unerwünscht. Nichts destro trotz bietet Yahoo mit seinem normalen Yahoo Webmail eine hervorragende Webmailoberfläche mit integriertem Yahoo Chat. Der Chat ermöglicht es auch Windows Live Messenger Nutzer zu erreichen. Ob man jedoch fast 35 US-Dollar (umgerechnet derzeit knapp 25 Euro) für ein Postfach zahlen möchte…  was auch nur per Kreditkarte abgerechnet werden kann…

Für (Vorab)Fragen steht der Yahoo-Support übrigens Nicht-Kunden gar nicht erst zur Verfügung. Ein Yahoo-Konto ist zwingend für die (Erst-)Kontaktaufnahme notwendig…

 

Ein Leserbrief to “Übersicht: Webmail für die eigene Domain”

  1. Cybernetz-Redaktion
    5. Januar 2010 bei 17:22

    Hinweis: AOL Mail für die eigene Domain wurde eingestellt (Stand: Dezember 2009)

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