TV-Tipp: Coma
SAMSTAG, den 26. JULI läuft auf RTL 2 um 00:40 Uhr
der Film “Coma” (”Coma”, 1977, 78)
Darsteller: Geneviéve Bujold (Dr. Susan Wheeler), Michael Douglas (Dr. Mark Bellows), Richard Widmark (Dr. George Harris), Elizabeth Ashley (Mrs. Emerson), Rip Torn (Dr. George)
Drehbuch: Michael Crichton (nach dem Roman “Coma” (1977) von Robin Cook)
Regie: Michael Crichton
Inhalt
Susan Wheeler, Ärztin im Boston Memorial, entdeckt durch Zufall, dass im letzten Jahr bei zehn verschiedenen Patienten nach harmlosen Routineeingriffen ein plötzliches und unerklärliches Koma aufgetreten ist. Aufmerksam geworden durch ein solches Koma bei ihrer Freundin Nancy Greenly, die wegen einer Abtreibung in der Klinik war, wird sie noch mehr beunruhigt, als kurze Zeit danach erneut ein junger Mann ebenso in ein unerklärliches Koma fällt.
Sie geht der Sache nach, muß dabei aber feststellen, dass ihr erstens niemand glaubt und dass man ihr zweitens, wo es nur geht, Steine in den Weg legt. Als sie herausfindet, dass die Koma-Patienten in eine Einrichtung namens “Jefferson Institut” gebracht wurden, will sie unbedingt dorthin und sich umsehen. Der Zugang für Besucher ist aber streng geregelt, nur einmal in regelmäßigen Abständen werden für Interessierte Führungen durch das Institut organisiert.
Susan schließt sich einer solchen Führung an, geht dann aber in einem unbeobachteten Moment allein auf Entdeckungsreise. Was sie dann dort findet und herausfindet, übersteigt alle ihre Befürchtungen und bringt sie selbst in akute Lebensgefahr.
Hinter den Kulissen
Ein Koma kann einige Stunden, einige Tage, aber auch Monate und sogar Jahre dauern. Man bezeichnet die ersten vier Wochen als kritische Phase und geht davon aus, dass die Patienten, die innerhalb dieser Zeit aus dem Koma erwachen, es relativ gut überstehen. Dauert der Koma-Zustand aber länger, kann es zu ernsthaften Auswirkungen kommen.
Koma-Fälle, die über Monate oder Jahre hinweg andauern, können derart schwere Auswirkungen für den Patienten haben, dass er nach dem Erwachen teilweise Dinge des täglichen Lebens wieder von neuem lernen muß: Gehen oder Sprechen. Die Muskulatur des Menschen erlahmt regelrecht, wenn er längere Zeit nicht aktiv war. Kurzzeitige Koma-Patienten aber werden in der Regel wieder völlig gesund.
Bei schweren Unfällen, wo der Körper eines Menschen derart schwer verletzt wird, setzen die Mediziner auch das künstliche Koma ein; nach dem Motto: im Schlaf erholt man sich am besten. Dazu versetzt man den Patienten in ein künstliches Koma.
Das Thema des Films ist der Organhandel, der als das Buch “Coma” von Robin Cook erschien (1977), zwar keine Utopie mehr war, aber noch nicht so in den Vordergrund gerückt war, wie er es heute ist. Die medizinischen Möglichkeiten, was Operationen angeht, sind in dieser Zeit mehr und mehr gewachsen, so das heute Transplantationen von allen möglichen Organen zwar keine Routine ist (sollten sie jedenfalls niemals sein), aber doch kein so großes “Wunder” mehr, wie sie es vielleicht noch vor 30 Jahren waren.
Das Thema Organhandel ist heute also noch viel aktueller als damals und da auch (und vor allem) in der Medizin alles nur eine Geldfrage ist, nutzen einige Menschen ihr Geld, um schneller für eine Transplantation ausgesucht zu werden. Dafür müssen die Organe irgendwo herkommen und es liegt durchaus außerhalb der Fiktion, das es so etwas wie in “Coma” (oder in dieser Form) tatsächlich gab, gibt oder geben wird……
Da heute der Bedarf an menschlichen Organen höher ist als jemnals zuvor, befürworten viele die Organspende und regen an, daß jeder - egal, wie alt er ist - sich als Organspender “betätigen” sollte (blödes Wort, ich weiß).
Autor Robin Cook schrieb damals in seinem Buch “Coma” ein Nachwort, aus dem hervorgeht, das er ein glühender Vertreter dafür ist, dass menschliche Organe zu Transplantationszwecken den Menschen entnommen werden sollten, die kurz vor dem Sterben stehen (ob er dieser Meinung heute, 30 Jahre später, immer noch hat, ist unklar). Und aus meiner Interpretation des Nachwortes geht auch hervor, dass er - um dies durchzusetzen - gerne strengere Gesetze hätte; Gesetze, die vielleicht auch entgegen den Wünschen der Sterbenden oder deren Angehörige gerichtet sind.
Ich weiß nicht, ob meine Interpretation richtig ist - aber wenn sie es ist, dann betritt er mit dieser Forderung ein Gebiet, dessen Grenzen schwer zu setzen und noch schwerer durchzusetzen sind. Hat irgendjemand das Recht, einem Sterbenden, der deutlich kundgetan hat, dass er es nicht wünscht; hat also irgendjemand das Recht, dessen Organe zu entnehmen und sie anderen zu geben? Oder darf man sich gegen die Wünsche der Angehörigen stellen, wenn diese es nicht wünschen?
Man ist versucht zu sagen: NEIN. Doch andererseits, wie es Cook in seinem Nachwort auch ebenso eindringlich gesagt hat, gibt es auf der Welt Tausende oder Hunderttausende, die auf eine Niere oder ein Herz oder sonst irgendein Organ warten, das sie zum Überleben brauchen, oder dass ihr Leben wieder lebenswert macht. Diese Menschen könnten aufgrund strengerer Gesetze wieder ein normales Leben führen.
Das ist ein schwieriges Thema, dessen Lösung nicht so einfach ist - einfach sein kann - wie manche Leute es sich dabei machen wollen, auch Cook machte etwas zu einfach. Denn viele Leute sind nun mal auch heute noch der Ansicht, dass der Körper des Menschen auch nach seinem Tode nicht zerstückelt werden darf oder sollte. Viele wehren sich auch gegen eine Autopsie, wenn die Todesursache nicht klar ist. Darüber mag man streiten und diese Ansichten nicht verstehen können, aber man muß sie respektieren.
Es wäre natürlich wünschenswert, dass sich mehr Menschen nach ihrem Tode als Organspender zur Verfügung stellen würden, doch ich persönlich kann es niemandem übel nehmen, wenn er es nicht tut. Andererseits kann ich auch die Leute verstehen, die sich gegen solche Ansichten wehren, wenn es überall auf der Welt Menschen gibt, die Organe zur Transplantation benötigen - dringend benötigen.
Robin Cook gibt in diesem Nachwort an, dass die Definition zwischen Leben und Tod eine schwierige Frage sei, doch sollten (Zitat) “……solche Schwierigkeiten (…..) kein Hindernis dabei sein, für das Problem verschwendeter menschlicher Organe eine Lösung zu finden.”
Also, das Wort “Schwierigkeit” empfinde ich in diesem Fall gelinde gesagt als etwas untertrieben. Man stelle sich nur einmal vor, ein Verwandter liegt im Krankenhaus im Sterben und irgendjemand sitzt wie ein Geier in der Nähe und wartet auf dessen Tod, nur um sich seine Organe holen zu können - das ist bedeutend mehr als eine “Schwierigkeit”. Und die Definition, wo das Leben aufhört und wo der Tod wirklich beginnt bei Patienten, die (beispielsweise) im Koma liegen, ist auch alles andere als einfach. Wer dafür eine Lösung finden will, die beide Seiten zufriedenstellt, muß schon ein ziemliches Genie sein.
Kurz vor dem Ende des Nachwortes sagte Cook:
“Das Problem der Knappheit an Transplantationsorganen ist nur ein schlagendes Beispiel für das Versagen der Gesellschaft im allgemeinen und der Medizin im besonderen, wenn es darum geht, die sozialen, rechtlichen und ethischen Folgen von technologischen Neuerungen vorauszusehen. Aus unerfindlichen Gründen wartet die Gesellschaft bis zum letzten Augenblick, bevor sie einen Weg sucht, um das inzwischen eingetretene Chaos so gut wie möglich in Ordnung zu bringen.”
Hat eine Gesellschaft versagt, wenn sie wünscht, dass die Verstorbenen “unversehrt” (sage ich mal so) bestattet werden und sich niemand an ihnen zu schaffen macht? Aus der Sicht derjenigen, die Organe für die Transplantation zum Überleben brauchen, könnte man sagen: ja, sie hat versagt!
Aber gerade aus ethischer Sicht, wie Cook es anklagt, würde ich klar sagen: nein, denn gerade aus ethischer Sicht gesehen, ist es doch ein gutes Zeichen, wenn die Gesellschaft so reagiert und handelt; aber paradoxerweise kann gerade das eine andere Beurteilung hervorrufen: Denn sollte eine Gesellschaft, die etwas auf sich hält, nicht lieber den Lebenden helfen, als den Toten ihre letzte Ehre zu erweisen?
Sollte man nicht lieber aus möglicherweise falsch verstandenem Respekt denen helfen, die noch leben und die mit Hilfe eines transplantierten Organs noch eine ganze Weile lang leben könnten?
Wer auch immer darüber eine Entscheidung treffen will, wird sich auf einen Drahtseilakt begeben, der schwieriger kaum sein kann.
Es gab natürlich schon vor “Coma” Filme, die im Krankenhaus spielten, aber mit diesem Themenhintergrund betrat Robin Cook so etwas wie Neuland und es kamen erst später ähnlich gelagerte Filme. Nach den positiven Echos, die “Coma” hervorrief, blieb es nicht aus, dass noch Filme entstanden, die thematisch ähnlich waren. Ein Beispiel ist der 1989 von Larry Cohen inszenierte “The Ambulance” (”The Ambulance”), den er mit Eric Roberts, James Earl Jones und Megan Gallagher in den Hauptrollen besetzte. Dieser mehr auf Action eingestimmte Film hat ein ähnliches Thema wie “Coma”, auch hier werden Menschen plötzlich entführt oder verschwinden aus ungeklärten Ursachen und auch hier werden bestimmte medizinische Experimente gemacht. Für sich gesehen ist “The Ambulance” ein eigenständiger Film, dessen Hintergrund sich nicht allzu offensichtlich auf “Coma” stützt; ein Ansehen würde ich allemal empfehlen.
Ein bißchen dreister ging Larry Shaw 1990 an die Sache, als er den TV-Film “Donor” drehte (lief bei uns unter verschiedenen Titeln, so zum Beispiel unter “Genetic Killers”, was an sich schon völliger Quatsch ist oder als “Skalpell des Schreckens”, als solcher wurde der Film 1993 in der ARD ausgestrahlt - auch dieser Titel wieder einmal ein Ausbund an Dummfug. Im österreichsichen Fernsehen war er unter dem Titel “Klink ohne Wiederkehr” zu sehen, was am Originaltitel gesehen auch idiotisch ist, inhaltlich gesehen aber ergibt es wengistens einen Sinn.
“Donor” heißt übersetzt schlicht und einfach (Organ)-Spender. In diesem Film, den Larry Shaw mit Melissa Gilbert, Jack Scalia, Wendy Hughes und Gregory Sierra besetzte, geht es nicht nur um dasselbe Thema wie in “Coma”, der Film schrammt sehr knapp an einem Plagiat vorbei. Inhalt, Art der Umsetzung, sogar manche Szenen, spielen in derselben Umgebung, teilweise sogar in denselben Räumen. Nichtsdestotrotz ist dieses Werk - wenn man “Coma” noch nicht gesehen haben sollte - empfehlenswert, da er seine geklauten Ideen und Geschichten wenigstens gut und spannend umsetzt und mit den Hauptdarstellern auch routinierte Leute vorweisen kann, die ihr Handwerk gelernt haben. Der Film ist nicht so gut wie “Coma”, erreicht bei weitem nicht die Spannung, die Eindringlichkeit und die Intensität des Orginals, aber ganz ablehnen würde ich das Werk auch nicht.
“Coma” ist meiner Ansicht nach einer der seltenen Fälle, wo die Vorlage hervorragend ist und die filmische Adaption ebenso fantastisch gemacht wurde. Es kommt nicht einmal, wie man vielleicht annehmen und befürchten könnte, irgendwann Langeweile auf, da die Handlung schnell fortschreitet und für Langeweile einfach “keine Zeit” vorhanden ist.
Getragen wird der Film natürlich von den drei Hauptdarstellern, Geneviéve Bujold, Michael Douglas und Richard Widmark, wobei Widmark´s Auftritte nicht so zahlreich sind, wie seine Fans es sch vielleicht gewünscht hätten. Der größte Teil der Last lag an Geneviéve Bujold, die ihre Rolle wirklich brillant darstellte.
Das Ansehen des Films lohnt sich auf jeden Fall, auch (und gerade!!) für die, die Robin Cook´s Buch schon gelesen haben. Man kann zwar beides für sich genießen, das heißt, wer das Buch nicht kennt, braucht nicht aus inhaltlichen Gründen auf den Film zu verzichten; und wer den Film gesehen hat, braucht nicht unbedingt zur Aufbesserung von Wissenslücken das Buch zu lesen, aber beides zu genießen, macht die Sache eigentlich rund - und perfekt.
Mit dem Thema Organspende/Organhandel beschäftigt sich in ähnlicher Weise auch der deutsche Film Fleisch aus dem Jahre 1979.
(c) Grafiken und Bilde von Wikipedia; Autor Thomas D.












25.07.2008 at 15:11
Ich gebe eine Person was mit nicht Prüfbarer Angaben sich selbst mit Weihrauch bewirf nicht ungerne gern. Aber Recht hat Thomasd denn ein Anwender ist ein Mensch. Ein Kunde.Von dagesehen muss ich das einfach so aceptieren. Thx Thomas D!!!!!
25.07.2008 at 17:27
Hallo,
ja, das Thema Organhandel ist sehr schwierig, aber auch individuell. Man muß da, glaube ich, jeden Fall für sich selbst betrachten. Deshalb wird es schwer fallen, allgemeine Regeln oder Gesetze zu finden, die für jeden einzelnen Menschen zutreffen, das dürfte kaum möglich sein.
Aber man sollte sich auch mit schwierigen Themen auseinandersetzen. Sie zu verschweigen, hilft niemandem etwas; weder denen, die Organe vielleicht spenden wollen; noch denen, die auf Transplantationen angewiesen sind.
Gruß
ThomasD