Senioren und die Technik

 

Ist das Internet zu kompliziert für Senioren? Diese Frage kann man eindeutig mit einem klaren JA beantworten. Da wird auf der einen Internetseite von Nutzeraccount gesprochen, die nächste Seite möchte, dass man auf Submit klickt um das Kontakt-Form zu übermitteln und bei der Dritten Seite gibt es nur eine 404-Fehlermeldung. In der Vergangenheit habe ich schon viele Senioren-PCs eingerichtet und muss zugeben, dass man ohne Englischkentnisse vollkommen aufgeschmissen ist. Aber auch selbst mit Englischkentnissen kommt man meist nicht ans Ziel. Wieso sollte man “browsen“? Das Wort existiert überhaupt nicht. Genau wie tausende anderer Begriffe auf fast jeder zweiten Internetseite. Und vor allem wie soll man dem älteren Anwender erklären, dass es einige Seitenbetreiber einfach nur cool finden neue Wortschöpfungen zu kreieren?

Das Unwort des Jahrhunderts ist meiner Meinung nach Handy. Lange Zeit habe ich versucht, dieses Wort zu meiden. Als selbst aber die 100. Person nichts mit dem Begriff Mobiltelefon anfangen konnte, habe ich es aufgegeben.

Doch zurück zur aktuellen Technik. Maximal mitte 30 dürfte die Zielgruppe der Hersteller sein. Was ist mit den anderen? Für diese gibt es halt Sonderlösungen für 500% Aufpreis. Wie wäre es mit einem einfachen Mobiltelefon, was den Stand der Technik in etwa 1999 hat? Dieses hat einen grösseren Bildschirm Display und anstatt 2mm Tasten dann 1cm grosse (und vernünftig bedienbare) Tasten. Dafür müssen die Silver-Surfer aber kräftig in die Tasche greifen. Wie kann man nur so dreist sein und die 1,42mm grossen Buchstaben nicht lesen können? Sowas gehört halt bestraft.

Im Bereich PC- und Notebooks wird es noch interessanter. Es gibt eigentlich kein wirkliches Einsteigermodell für Senioren. Das Notebook mit der mobilen Flatrate ist alles andere als einfach zu bedienen. Einfach USB-Stick reinstecken und lossurfen? Das war wohl nichts. Natürlich wird der USB-Stick nicht automatisch erkannt und so muss man manuell sämtliche Treiber für den USB-Stick installieren. Sprache: natürlich Englisch! Ein Klick auf “OK” startet den Computer dann neu. Ohne Hinweis. Für Einsteiger fast tödlich, denn auf einmal wird der Monitor schwarz. Nach einem Neustart gibt es dann einen Hinweis: “Driver Update Found” und der Virenscanner meldet parallel ebenfalls “zwei neue Updates verfügbar”. Wieso können Hersteller nicht deutsche Worte benutzen? Ein Update wäre eine Aktualisierung. “Zwei neue Aktualisierungen für das Anti-Virus Programm sind verfügbar. Klicken Sie auf OK um die automatische Aktualisierung zu starten. Alle weiteren Schritte werden erklärt”. Das ist wohl einfach zu viel.

Flatrate

Ein gutes Beispiel dürfte auch der Begriff Flatrate sein. Das Englisch-Wörterbuch übersetzt diesen Begriff mit “Pauschaltarif”, doch ist das etwas irreführend.Eine “Flatrate” heißt nicht unbedingt, dass man telefonieren oder im Internet “surfen” kann ohne Begrenzung. Das ist genau das, was einem viele Anbieter gern als Fakt verkaufen wollen, doch ist dem nicht immer so. Es gibt auch hier (sowohl was das Telefon als auch das Internet) betrifft, meist Einschränkungen. So kann man bei vielen Anbietern eben nur eine gewisse Anzahl an Daten herunterladen, bis man entweder gesperrt wird oder einem gar eine Extra-Rechnung ins Haus flattert.

Dateien herunterladen oder doch downloaden?

Das Herunterladen (oder downloaden, auch ein Wort, dass so nicht existiert) wird auf nahezu allen Seiten zu einer Art Abenteuerreise. Nicht nur, dass auch hier oft englische Wörter benutzt werden, es wird oft auch unnötig kompliziert erklärt. Manche Seiten irritieren den Gelegenheitbenutzer schon mit einigen Werbebanner, so dass man bald nicht mehr weiß, wo man denn eigentlich draufklicken muss. Der Aufbau mancher dieser Seiten ist einfach nur irreführend. Einfacher wäre es da, ganz deutlich zu erklären, was man herunterladen möchte und wie man so einfach wie möglich erreichen kann.

 

Weitere Beispiele…

Spam

Was ist ein Spam? Es ist nicht nur unerwünschte Nachrichten, die man in seinem E-Mail Briefkasten findet. Spam bzw. UCE (Unsolicited Commercial Email) oder auch Junk (engl. für Abfall)  sind unverlangt und meistens auch unerwünschte Werbemitteilungen, die den Empfänger teils auf obskure Weise dazu verleiten wollen, Geld auszugeben. Der Begriff “Spam” war ursprünglich der Name einer Firma, die Dosenfleisch herstellte. Später wurde der Begriff durch einen wiederkehrenden Gag in der “Monty Python Show” aus seinem Zusammenhang gerissen.Im Laufe der Zeit wurde der Name durch verschiedene, sich ständige wiederholende Dinge, auch Werbung, ein Synonym für Wiederholungen. Später wurde “Spam” dann auch im Internet als eigenständiges Wort für Mails benutzt, die dem Empfänger Geld aus der Tasche ziehen sollen…

Technik im Auto

Wenn sich heute ein beispielsweise 55jähriger ein neues Auto kauft, der vorher nichts mit der Technik am Hut hatte, so wird er einige unliebsame Überraschungen erleben. Es beginnt schon mit dem Einschalten des Autoradios. Vorbei die Zeiten, in denen man einfach einen Knopf drehte und dann per Hand den richtigen Sender suchte. Man muss heute zunächst mal suchen, um den Einschaltknopf zu finden. Dann muss man alle Sender, die man irgendwann mal hören will, erst mühsam einspeichern, um sie dann während der Fahrt durch den Druck auf einen winzigen Knopf zu aktivieren.

Für jemanden, der sich damit nicht auskennt, wird das eine wahre Odyssee. Oder das Navigationsgerät… es mag hier natürlich von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich in der Handhabung sein. Für Leute, die sowas noch nie gesehen haben oder es eben sehr selten benutzen, kann sich das als sehr umständlich herausstellen.Von all den anderen neuen technischen Dingen, die es heute gibt, mal ganz zu schweigen, z.B. wie man unterwegs mal eben den Benzinverbrauch errechnen kann und die Benutzung eines Tempomaten…

Der Automat  (Mitarbeiter 2.0)

Fahrkartenautomaten am Bahnhof. In der heutigen Zeit, wo man die Fahrkarten nicht mehr von Menschen ausgehändigt bekommt, muss man sich die Fahrscheine direkt am Automaten holen. Barzahlung meist unerwünscht. Mit Glück Zahlung per EC-Karte. Nicht nur für Gelegenheitsfahrer sind Automaten alles andere als einfach zu bedienen. Der Grundaufbau ist manchmal derart umständlich, dass man auch als jemand, der sich mit Technik sonst auseinandersetzt, nicht immer damit klarkommt.Man kann sich nur sehr einfach ausmalen, wie ungern sich ältere Menschen auf so ein “Abenteuer” einlassen wollen…

 

Fazit

Die ältere Generation ist und wird wohl auch in naher Zukunft keine echte Zielgruppe für die Anbieter sein. Sehr schade.

 

(c) in Zusammenarbeit mit dem großen Film- und Musikarchiv & Pixelio/Gerd Altmann

 

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